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Reisen mit Herz: Baueinsatz in Lettland

 

 

Ohne Licht kein Leben

Wenn wir die Wohnungen mancher armer Familien in Lettland betreten, fühlen wir uns, als würden wir in eine Höhle kommen: Die Tapeten sind von Alter und Ruß geschwärzt, die Fenster alt und undicht. Die Möbel sind wackelig, mehrere Kinder müssen sich ein Bett teilen und der Boden ist abgetreten. Wir fragen uns dann, wie diese Familien in so einer Behausung überhaupt leben und atmen können. Seit 2007 die Finanzkrise hat das Lettland getroffen hat, sind viele Menschen arbeitslos, andere sind ausgewandert. Übrig bleiben die Schwachen und Mittellosen.

So leben manche Familien in Lettland auf dem Land: Familie Streili wohnt mit drei Erwachsenen und neun Kindern in einem alten Blockhaus mit kaputtem Dach. Um sich vor Regen zu schützen, haben sie Teile des Daches mit einer Plane abgedeckt.

Bei solchen Familien machen unsere Freizeitgruppen aus Deutschland seit 2011 regelmäßig Baueinsätze. Dabei renovieren Teams drei Tage lang Teile der Woh- nung oder des Hauses. Wir wagten dieses Projekt, weil die Not der Familien unser Herz anrührt und wir ein Zeichen der Hoffnung setzen wollen. Ein solcher Einsatz ist natürlich immer Risiko, da wir im Vorfeld nie wissen, wie die Gruppe sich zusammensetzt, welche Überraschung sich hinter mancher Wand verbirgt und ob wir genug Spendengelder für die Baumaterialien aufbringen können. Bisher waren die Einsätze immer ein voller Erfolg. Lassen Sie sich von der folgenden Geschichte von einem unserer Baueinsätze ermutigen:

Das einzig bewohnbare Zimmer des Hauses ist dunkel. Die Mutter arbeitet 18 Stunden pro Tag auf einem Bauernhof. Nicht alle Kinder haben ein eigenes Bett.

„Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.“

Die Familie hat schon die beiden Zimmer leergeräumt, als das Team aus Deutschland kommt, so dass wir gleich loslegen können: Fußboden rausreißen, Tapete abkratzen, Wände verspachteln, Fenster ausbauen, Stall ausmisten (unglaublich: aus dem Stall holt Christian, unser Tierarzt, 60 Schubkarren Mist!), Tiere entwurmen und entflohen. Die alleinerziehende Mutter war mit der Situation vollkommen überfordert, denn sie muss sich außer um den Haushalt

auch um den Lebensunterhalt der Familie kümmern. So ist sie schon morgens ab fünf Uhr im Wald unterwegs, um Pilze und Beeren zu sammeln. Nach dem Einkauf der Baumaterialien in Riga kann das Team beginnen: tapezieren, Laminat verlegen, Decke streichen, neue Fenster einbauen, Kabel verlegen (die Elektrik muss im ganzen Haus neu gemacht werden), Futterkrippen im Stall bauen, Heu machen und vieles mehr. Die vier Kinder sind mit Begeisterung dabei. Besonders gerne wollen sie mit unseren Männern zusammen arbeiten, da sie von Mutter und Großmutter großgezogen werden und den Vater vermissen. Der 15-jährige Sohn ist für den Stall, die Tiere und Reparaturen am Haus zuständig und damit komplett überfordert. Dementsprechend ist das ganze Gelände, das ehemals ein kleiner Bauernhof mit einigen Feldern war, in einem bedauernswerten Zustand. Das Gras um's Haus herum wurde das ganze Jahr noch nicht gemäht und im Stall fehlt sogar die Mistgabel. Unser Tierarzt Christian zeigt den beiden ältesten Geschwistern, wie sie mit den Tieren (Hühner, Pferd, Ziegen, Hund) umgehen können. Der vierjährige Juris hilft im Haus mit. Er will unbedingt die Wände seines Zimmers farbig bemalen. Es kostet uns einige Überzeugung, ihm zu sagen, dass die Wände doch einfarbig besser aussähen. Die neuen Fenster werden erst einmal ohne Glas geliefert, da sie Sonderanfertigungen sind und das Schneiden des Glases etwas Zeit braucht. Nach zwei Tagen harter Arbeit sind die zwei Zimmer wie verwandelt. Wir haben sogar neue Möbel aufgebaut. Schon nachmittags liegt Juris in seinem neuen Bett. Er will gar nicht mehr aufstehen und zählt die Fische in seiner neuen Aquariumlampe.

Licht multipliziert sich

Drei Tage später fährt unser Team wieder zur Familie, um das Glas für die Fenster einzubauen. Leider sind die Mutter und die älteren Geschwister im Wald. Der kleine Juris sieht unser Auto von Weitem und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, da die Familie uns erst einen Tag später erwartet hat. Dann kommt er freudestrahlend auf uns zugelaufen. Als wir das Haus betreten, sind wir überrascht: Die Küche, die wir nicht renoviert haben, strahlt in ungewohntem Glanz. In den zwei Tagen haben sie geputzt, aufgeräumt und Fliegenfänger aufgehängt. Die Großmutter meint dazu: „Ihr habt das Licht in unser Haus gebracht. Die restlichen Räume unseres Hauses sind immer noch dunkel. Jetzt wollen wir das Licht auch in anderen Zimmer tragen. Wir wollen selber weiterrenovieren, damit sich das Licht multipliziert.“ Diese Aussage hat uns sehr gefreut. Unser Einsatz hat das Leben dieser Familie verändert und sie ermutigt, Dinge selber in die Hand zu nehmen.

Auch in diesem Jahr werden die Teilnehmer der Freizeit die Wohnung einer Familie renovieren. Das Baumaterial wird um die 5.000 Euro kosten. Helfen Sie mit, Licht in das Dunkel einer solcher Familie zu bringen und ihnen Hoffnung zu geben. Spenden Sie für das Bauprojekt in Lettland. Vielen Dank!

Es freuen sich Klaus und Claudia Dewald und Team :-)

Spendenkonto für Baueinsatz:

GAiN, Volksbank Mittelhessen

IBAN: DE88 5139 0000 0051 5551 55

BIC: VBMHDE5F

Verwendungszweck „20LBP“

www.GAiN-Germany.org

Hier renovierten wir drei Tage lang Haus und Stall und pflegten sogar den Garten.

 

links: Die vier Kinder haben gerne mitgeholfen: Klaus Dewald und der kleine Juris beim Ausbessern der Treppe.

rechts: Ein Teilnehmer verlegt die Elektrik im Stall neu.